Die Planung unserer ersten Tour: 8 Wochen Skiwandern in Norwegen

Genau in 2 Monaten werden wir aufbrechen und uns auf den Weg in den hohen Norden machen. Die ersten zwei Monate unserer zweijährigen Reise möchten wir auf Skiern etwa 1000 Kilometer durch den hohen Norden laufen. Wir starten in Sulitjelma, knapp nördlich des Polarkreises. Von dort laufen wir, wenn es die Eisdecke auf den Flüssen und Seen erlaubt, bis zur Küste der Barentsee.

Wie kommt man auf so eine Idee?

Kathrin und ich haben uns auf einem Skitouren-Wochenende kennengelernt. Am Abend auf der Hütte habe ich ihr damals von Skitouren im norwegischen Fjell vorgeschwärmt – und ihre Begeisterung geweckt. Und einige Wochen später… sind wir zusammengezogen :). Was lag da also näher, als unsere zweijährige Reise mit einer mehrwöchigen Skitour in Norwegen zu beginnen?!

Als wir uns entschieden hatten, mit einer Skiwanderung zu starten, war uns schnell klar, dass es der hohe Norden werden muss. Wir können erst ab dem 21.3. in Deutschland starten. Würden wir die Skitour im April in Südnorwegen machen, könnte es sein, dass uns der Frühling schnell einen Strich durch die Rechnung macht. Selbst bei unserer nun gewählten Route müssen wir die Schnee- und Eisverhältnisse im Auge behalten.

Bild mit Blick von der Saarijärvi Hütte in Kilipsjärvi
Blick von der Saarijärvi Hütte in Richtung Halti, dem höchsten Berg Finnlands (2007)

 

Das Eis und der Schnee geben uns den Ton an…

Wir werden etwa am 25.3.2015 in Sulitjelma in Norwegen starten. Von dort aus brauchen wir rund 45 reine Marschtage, um unser Ziel, die Küste der Barentsee bei Storslett zu erreichen. Den Namen dieser Ortschaft muss man wirklich nicht kennen :). Rechnet man noch einige Tage hinzu, die wir pausieren oder wegen Schlechtwetter im Zelt, Hütten oder Schneehöhlen verbringen müssen, so kann man von 55 Tagen ausgehen, die wir brauchen werden. Wir planen mit einem Schnitt von ca. 22 Kilometern pro Tag. Da unsere Route eher durch bergige Gebiete führt, glauben wir, nicht viel mehr Kilometer pro Tag veranschlagen zu können.

Es wird also etwa der 15.-20. Mai 2015 werden, bis wir die Küste erreichen. Laut Klimadiagrammen von Hammerfest und anderen dort gelegenen Klimastationen müssen wir unterhalb 500m Seehöhe tagsüber bereits mit Tauwetter rechnen. Unser ursprüngliches Ziel, das Nordkapp, kann dann schnell in weite Entfernung rücken.

Schneeschmelze und Wetterbedingungen diktieren uns, wo wir die Tour beenden.

Dann wird nämlich der Schnee weich und damit das Skilaufen mit Pulka sehr anstrengend. Zudem sind zu dieser Jahreszeit die Schneebrücken über die Flüsse schon sehr unsicher und es kann richtig kompliziert werden, einen Weg durch die Flüsse zu finden. Kleine Flüsse lassen sich dann noch mit ausgezogener Hose bewältigen – ab einer Tiefe von 40-50 Zentimeter wird es wegen der Strömung jedoch sehr gefährlich. Schwierig ist zu dieser Zeit das Queren von Flüssen wegen der Eisschollen und Schneebrocken, die aufgrund der Schneeschmelze vom Wasser mitgerissen werden. Und natürlich führen die Flüsse zur Zeit der Schneeschmelze nochmal mehr Wasser als im Sommer oder Herbst.

Wir werden in Storslett entscheiden, ob wir weiterlaufen möchten. Und ob wir das auf Skiern oder zu Fuß mit Treckingrucksack machen werden :).

Ein 40 Tonnen LKW bringt unser Transportmittel für die Wintertour…

Am vergangenen Donnerstag um 06:30 Uhr klingelte mein Handy – vor der Tür stand ein 40 Tonner der Spedition Schenker :). Ein noch etwas verschlafener Daniel öffnete einem berufsmäßig fitten Brummifahrer die Türe, der gerade mit einem Hubwagen eine Palette vor unserer Haustüre absetzte. Darauf festgeschnallt: 2mal ein 1,80 Meter langes Paket von 50 mal 20 Zentimetern Durchmesser – jeweils bedruckt mit dem Fjellpulken Logo. Schlepp, schlepp, hiev, hiev und 5 Minuten später landen die beiden Riesenpakete bei uns im Wohnzimmer und wir packen aus :). Mit diesen beiden Pulken (=Zugschlitten) vom Typ Fjellpulken Expedition 168 werden wir für zwei Monate durch den hohen Norden unterwegs sein.

Fjellpulken Expedition Modell 168 mit Zuggestell und Gurt
Fjellpulken Expedition Modell 168 mit Zuggestell und Gurt

 

Rechnet man unser „normales“ Trecking Gepäck im Sommer von rund 16 KG, ergänzt dieses um das Gewicht der im Winter zusätzlich benötigten Gegenstände (z.B. Schneesäge, Schaufel, Schneeheringe, Daunenjacken, dicke Schlafsäcke, mehr Brennstoff wegen Schneeschmelzen etc. pp.), landet man bei einem Gewicht von rund 21 KG. Die Pulka mit Zuggestell und Zuggurt mit rund 10 Kg kommen noch hinzu. Ohne Essen sind wir somit bereits bei 31 Kg Ausrüstung.

31 Kg Ausrüstung pro Person werden wir für 50-60 Tage durch den hohen Norden ziehen. Das Essen ist hier noch nicht mitgerechnet. Das sind rund weitere 50 Kg, die es auf zwei Personen aufzuteilen gilt. Jeder von uns beiden zieht also fast sein eigenes Körpergewicht hinter sich her.

Rechnet man pro Tag 1kg Essen und Brennstoff, haben wir zum Start rund 56 kg schwere Pulkas, welche wir hinter uns herziehen werden. Wir planen die Pulken bereits daheim fertig zu packen – die Fotos und Materialliste werden wir euch natürlich nicht vorenthalten :). Über diese Details werde ich, wenn es soweit ist, nochmal ausführlich berichten. Dann werde ich Euch auch das von uns eingesetzte Material im Detail zeigen und erklären.

Unsere Route führt uns 800 bis 1000 Kilometer weit durch die winterliche Wildnis…

Seen, die sich 100 Kilometer weit erstrecken, riesige Hochtäler und reißende Flüsse unter meterdickem Eis – das ist die Szenerie, in welche wir uns für 8 Wochen begeben werden. Wir starten in der norwegischen Bergbaustadt Sulitjelma – einem kleinen Nest mitten in den norwegischen Bergen unweit der schwedischen Grenze.

 

Von Sulitjelma steigen wir am ersten Tag hoch in die Bergregionen an der norwegisch-schwedischen Grenze. Dem Grenzverlauf folgend, geht es über mehrere riesige Seen bis nach Ritsem in Schweden. Ritsem liegt total abgelegen. In Deutschland kann man sich so eine Lage eigentlich gar nicht mehr vorstellen. Man erreicht das 50 (?) Seelendorf nur über eine 200 Kilometer lange Stichstraße aus Nordschweden – oder eben per Hubschrauber oder auf einer Schneemobil-Strecke aus Norwegen. Ritsem haben wir uns im Sommer schon mal bei einem gemütlichen Kaffee angeschaut :). Mal schauen, wie es dort dann im Winter sein wird.

bild_ritsem_Schweden_Sommer
Blick auf den wilden Sarek Nationalpark über den Akkajaure von Ritsem aus…

 

Von Ritsem aus geht es an den großen Stausee „Abiskojaure“ (ca. 10 Tage), dann weiter nach Kilpisjärvi in Finnland (nochmals 10 Tage) und schließlich durch das wilde Reisadalen Tal an die Küste der Barentsee.

Wie genau plant man eigentlich so eine Route?

Bei der Routenplanung gibt es eigentlich drei große Schritte:

Als erstes stellt man sich die Frage: wieviel Zeit habe ich und wann kann ich die Tour machen? Das und auch die Jahreszeit entscheiden natürlich stark über die Länge der Tour und die Route. Im Januar würde ich eher Südnorwegen anpeilen, im April eher Nordnorwegen. Warum? Im Januar ist es nördlich  des Polarkreises mitunter sehr sehr kalt (-40 Grad Celsius sind in den Bergen dann keine Seltenheit). Und im April wird es im Süden knapp mit dem guten Schnee zum Skilaufen.

Fjaellwanderung.de - Forum Eintrag
Unser Foreneintrag auf www.fjaellwanderung.de wurde sofort von mehreren Personen beantwortet und wir erhielten jede Menge nützliche Tipps.

 

Hat man Zeithorizont, Startpunkt und Ziel festgelegt, beginnt der mühsame Teil: tagelang haben wir in Foren, in Online-Reiseberichten, in Reiseführern und anderen Medien recherchiert, welche Route sich für unseren gewählten Streckenabschnitt empfiehlt. Schlussendlich am Meisten geholfen hat uns ein uralter Reiseführer über den Nordkalottleden, einen der berühmtesten Weitwanderwege in Nordskandinavien, sowie das Internetforum www.fjaellwanderung.de (hier findet ihr meine Fragen und die wirklich kompetenten Antworten der Forumsmitglieder).

Foto der Fjällkartan, Turkart und finnischen Karten, die wir nutzen werden
Das Kartenmaterial für knapp 1000 Kilometer Strecke, die wir auf Skiern zurücklegen werden.

 

Spaß macht dann wieder die Feinplanung der Route: welche Selbstversorgerhütten wollen wir ansteuern, wo wollen wir im Zelt übernachten? Welche Hänge umgehen wir wegen Lawinengefahr, wo überqueren wir die größeren Flüsse auf der Route? Müssen wir Richtung Abisko oben über die Berge laufen, da unten im Tal der Schnee schon zu knapp sein wird? Aus einer Vielzahl solcher Fragen ergibt sich dann die detaillierte Routenplanung, die wir in unsere Landkarten direkt mit einem farbigen Stift eingezeichnet haben. Wir benutzen übrigens die norwegische Turkart, die schwedische Fjellkartan sowie die finnischen Outdoor-Maps, die es alle auch in der Online-Version gibt: UT.no, Schweden und Finnland. Für diese feine Tourenplanung braucht es viel alpine Erfahrung – ansonsten bleibt nur vor Ort die Augen offen zu halten.

Natürlich reicht die Planung auf Papier nicht aus – deshalb werden wir unsere Route auf einer digitalen Karte zeichnen und an unser GPS Gerät übertragen. So können wir bei WhiteOut (Schneesturm, passiert häufig) trotzdem weiterlaufen und unser Ziel erreichen. Wie die Planung mit GPS und digitaler Karte funktioniert, warum man bei der Arbeit mit der Papierkarte und dem GPS wissen sollte, was RT90 und Co. bedeuten – das erkläre ich dann mal in einem eigenen Blogartikel rund um das Navigieren mit dem GPS.

Wow 🙂 – nach dem Artikel bin ich ja gleich noch gespannter :). Wir freuen uns wirklich schon sehr auf das Abfahrtsdatum! 🙂 Juhuu :)!

Liebe Grüße,

Daniel & Kathrin

About Daniel Amersdorffer

Daniel wurde 1983 geboren und startete mit 13 Jahren seine erste Radtour über die Alpen. Bis heute empfindet er das größte Glück, wenn er sportlich in der Natur unterwegs ist - auf dem Mountainbike, zu Fuß, mit dem Kajak, mit Skiern (und Pulka), im Zelt oder auf einsamen Gebirgshütten im Fjell. Wind, Schnee und rauhe Landschaften sind für ihn die drei Zutaten für einen gelungenen Urlaub.

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