Nordlichter gesucht! Skitour auf den Halddetoppen bei Alta und weitere Erlebnisse im hohen Norden.

Vor gut einer Woche haben wir die norwegische Grenze bei Skibotn überquert. Wir sind unterwegs Richtung Nordkap. Das Nordkap haben wir vergangenen Mittwoch erreicht. Davor hatten wir noch einen wunderschönen Zwischenstopp in Alta, einer der nördlichsten Städte in Europa. Dort haben wir wandernd und Skitouren gehend die Berglandschaft erkundet. Nach dem Nordkap haben wir uns noch Hammerfest angeschaut und die Vorboten der Mitternachtssonne getroffen.

Nach einer Skitour in Finnland haben wir am 28.4. bei Skibotn die norwegische Grenze überquert. Skibotn ist ein verschlafenes Nest mit einigen Supermärkten inmitten atemberaubender Berglandschaft. Schlagartig nach dem Überqueren der Grenze weicht die sanfte finnische Fjelllandschaft schroffen, hohen Bergen, die sich links und rechts der Straße erheben – wunderschön und es fällt schwer, sich beim Fahren auf die Straße zu konzentrieren. Sobald man dann in Skibotn den Fjord erreicht, ist es als ob im Theater die Vorhänge aufgezogen werden: wild und hoch ragen gegenüber die Lyngenalpen aus dem Fjord. Dieses Gebirge übt auf uns beide eine echte Faszination aus. Seit wir aufgebrochen sind, träumen wir davon, hier Skitouren zu machen. Auf dem Rückweg vom Nordkap planen wir in Lyngenseidet deshalb einige Tage zu verbringen.

Unsere Tour führt uns weiter in Richtung Alta. Dort lernen wir zwei Mädels kennen: Lea verbringt dort gerade ihr FSJ, Laura studiert für 6 Monate hier. Mit den beiden erkunden wir wandernd die Umgebung von Alta und sitzen Abends am Lagerfeuer. Die Stadt Alta gefällt uns auf Anhieb – die Lage am Fjord, die Kiefernwälder in den geschützten Lagen am Fjord, die wundervollen Strände und die beeindruckende Berglandschaft im Hinterland sind wahre Argumente von einem Leben hier zu träumen.

Alta - Feuer machen am Strand
Alta – Feuer machen am Strand

Bevor wir weiterfahren Richtung Nordkap, nehmen wir uns die Besteigung des Halddetoppen vor. Der Haldetoppen gilt als Hausberg von Alta. Auf dem Gipfel des 904 Meter hohen Berges thront das ehemalige Nordlicht-Observatorium des norwegischen Forschers Birkeland. Das Gebäude wurde 1899 erbaut und war die erste Forschungsstation zur Erkundung der Aurora Borealis. Obwohl es natürlich im Mai schon zu spät für Nordlichter ist, bietet der Halddetoppen als Tourenziel einen tollen Ausblick über die weite Finnmark und die Berge und Fjorde im Norden. Heute kann man sich im Alta Museum den Schlüssel ausleihen und im Wohnhaus des Observatoriums übernachten.

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Wir starten die Tour im Ort Kåfjord, direkt am Parkplatz vor der Kirche. Über eine Fahrstraße laufen wir mit den Tourenskiern am Rucksack bis zur Schneegrenze auf ca. 250 m über dem Meer. Dann beschreibt der Weg einen weiten Rechtsbogen und wir gelangen über einige Steilstufen hinauf auf die Hochebene des Haldde. Schnell nähern wir uns dem steilen Gipfelhang. Wir diskutieren kurz die Lawinenverhältnisse, entdecken dann aber einige Schneemobilspuren mitten in dem steilen Hang. Damit trauen wir uns in den Hang. Die Spuren sind frisch, und wenn der Hang ein 400 KG Schneemobil verkraftet, ist die Auslösung eines Schneebretts sehr unwahrscheinlich.

Am Gipfel des Haldde stehen zwei steinerne Gebäude, die über einen tief im Schnee eingegrabenen Holztunnel miteinander verbunden sind. So konnte der Forscher auch bei Sturm zwischen Wohnhaus und Forschungsstation wechseln. Vor dem Wind geschützt fellen wir neben dem Steinhaus ab und ziehen uns für die Abfahrt an. Die Schuhe werden verriegelt, die Tourenbindung geschlossen und der Helm aufgesetzt. Wenig später stürzen wir uns jauchzend nach unten. In flotten Schwüngen rauschen wir die mühsam hoch gestiegenen Steilhänge unter dem Gipfel hinab in ein geschütztes Hochtal und machen dort Pause. Nach der Mittagspause geht es mit viel Spaß und einem wirklich umwerfenden Blick auf den Fjord tief unter uns zurück Richtung Auto. Im Wald unten wird der Schnee bereits sehr weich und wir freuen uns nach einem recht kalten April über die warme Frühlingssonne und die stetig steigenden Temperaturen.

Am Dienstag fahren wir bis zum Nordkap. Durch die Hochebenen der Finnmark gelangen wir schnell zur Abzweigung in Olderfjord.Von dort geht es rund 100 km bis zum nördlichsten Punkt Europas. Die Landschaft auf dem Weg zum Nordkap wird vermutlich von Vielen einfach nur durchfahren – uns aber beeindruckt die Strecke und wir machen unterwegs viele ausgedehnte Pausen, spazieren in die Landschaft und erklimmen einen kleinen Gipfel.

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An einem der malerischen Rastplätze auf der Anfahrt zum Nordkap beschriften wir, so wie Tausende andere Besucher auch, eine Steinplatte vom Strand und legen Sie auf einen Steinhaufen zu vielen anderen Steinplatten mit Namen aus der ganzen Welt.

 

Unser Plan ist am Nordkap zu Übernachten und am Folgetag eine mehrstündige Wanderung zu unternehmen. Aber schon Abends setzt ein starker Sturm und heftiger Schneefall ein und wir schlafen mit dem Geräusch der vorbeifahrenden Räumfahrzeuge ein. Nach einer Nacht im von starken Windböen geschüttelten Bus fahren wir durch Neuschnee direkt zur Nordkap-Besichtigung.

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Die Straße Richtung Nordkap – innerhalb weniger Minuten tief verschneit.

 

 

Nach dem Nordkap geht es für uns weiter nach Hammerfest. Da am Folgetag das Wetter schlecht werden sollen, brechen wir um 18:00 Uhr noch zu einer Wandertour auf einen nahe gelegenen Berg auf – den Tyven. Da die Sonne fast nicht mehr untergeht – kein Problem :). Wir stecken noch den Kocher und Essenszutaten ein, damit wir unterwegs noch das Abendessen kochen können. Hierfür finden wir sogar eine kleine Hütte. Gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Gipfel. Der Himmel und die (nicht mehr wirklich) untergehende Sonne bieten uns hierbei ein großartiges Lichtspektakel. Am Gipfel angekommen blicken wir auf Hammerfest, Rypefjord und den Nationalpark Seiland. Es ist wunderschön, kaum zu beschreiben! Rot und rosa spiegelt sich im Wasser…. WOW!

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Heute haben wir probiert den Alta-Canyon zu Fuß zu erreichen, mussten aber aufgrund reißender Schmelzwasser Flüsse wieder umdrehen. Als nächstes stehen nun einige Skitouren in den Lyngenalpen auf dem Programm. Wir hoffen auf weniger Schmelzwasser und mehr Schnee.

About Daniel Amersdorffer

Daniel wurde 1983 geboren und startete mit 13 Jahren seine erste Radtour über die Alpen. Bis heute empfindet er das größte Glück, wenn er sportlich in der Natur unterwegs ist - auf dem Mountainbike, zu Fuß, mit dem Kajak, mit Skiern (und Pulka), im Zelt oder auf einsamen Gebirgshütten im Fjell. Wind, Schnee und rauhe Landschaften sind für ihn die drei Zutaten für einen gelungenen Urlaub.

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