Skitouren in Norwegen – Teil 1: Tourenplanung und allgemeine Tipps

Skitouren gehen in Norwegen ist wirklich etwas Besonderes. Das dürften wir die letzten zwei Wochen ausführlich erfahren. Nach einem kurzen Halt in Alta haben wir uns aufgemacht nach Westen, um verschiedenen Skitouren-Regionen einen Besuch abzustatten. Unsere Erfahrungen und auch was wir über die Planung und Durchführung von Skitouren im hohen Norden gelernt haben, ist für Euch in diesem Artikel ausführlich aufbereitet. Im Teil 2 lest Ihr in den kommenden Tagen, welche Skitouren wir gemacht haben und könnt viele schöne Fotos bewundern :)!

Bevor man auf Skitour geht, stellen sich in Norwegen die gleichen Fragen wie vor einer Skitour in den Alpen: Wie finde ich ein geeignetes Ziel für die Skitour? Wie soll das Wetter werden? Welche Gefahrenstufe meldet der Lawinenlagebericht? Wo erhalte ich geeignetes Kartenmaterial? Wie rufe ich die Bergrettung? Wie verhalte ich mich im Notfall?

Auf Skitour in Norwegen - wie findet man geeignete Tourenziele und was ist bei der Planung und Durchführung von Skitouren zu beachten?
Auf Skitour in Norwegen – wie findet man geeignete Tourenziele und was ist bei der Planung und Durchführung von Skitouren zu beachten?

 

Wie finde ich ein geeignetes Skitouren Ziel in Nordnorwegen?

Skitouren Ziele gibt es in Nordnorwegen unzählig viele! Hier findet wirklich jeder Skitouren Enthusiast die zu ihm passende Skitour: steil oder flach, mit abschließender Kletterei oder mit Skiern zum Gipfel, durch Rinnen oder über Rücken nach oben… Bei der Auswahl helfen die Touren-Bücher „Toppturer i Troms“ und „Toppturer i Norge“, die jeweils um die 80 bzw. 150 Tourenvorschläge inklusive Beschreibung, Luftbild der Tour und eine Karte zu jeder Tour beinhalten. Wir haben fast alle unsere Touren mit diesen beiden Büchern gefunden. Bei jeder Tour ist auch eine kurze englische Beschreibung dabei – und der Skitourenführer für Norwegen ist auch auf Englisch erhältlich.

Auch das norwegische Fremdenverkehrsamt (www.visitnorway.de) hält einige Informationen rund um das Skitouren gehen und Langlaufen in Norwegen bereit und kann auf Anfrage kompetente Ansprechpartner und Anbieter vor Ort vermitteln. Empfehlenswert zur Planung von Skitouren ist darüber hinaus das Tourenportal des norwegischen Alpenvereins DNT – www.ut.no. Speziell für die Region Lyngen gibt zudem die Tourismusorganisation Visit Lyngenfjord Auskunft.

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Das Kartenportal www.ut.no – Tourentipps und Vieles mehr

 

Wer über die Bücher hinaus weitere Touren sucht, findet diese mit einem aufmerksamen Blick in die topographische Karte (wir empfehlen diese Typ). Dabei sollte Planzeiger (wie der vom Alpenverein beispielsweise) nicht fehlen, um die Steilheit der Touren in der Karte messen zu können. Je nach Temperatur und Wetter empfiehltes sich zudem Touren mit einer geeigneten Exposition (z.B. Süd wenn es nachts sehr kalt war und man auf Firn abfahren möchte) zu wählen. Allgemein ist anzumerken, dass ab Mitte Mai die Sonne fast die ganze Nacht scheint – es gibt also keinen so klaren Unterschied zwischen Nord- und Südexposition wie beim Skitourengehen in den Alpen.

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Fjorde und wilde Berglandschaften – Skitouren in Norwegen sind etwas einmalig Schönes!

 

Von den Einheimischen erfährt man viele nützliche Details

Außerdem wichtig ist es Einheimische zu fragen. Wir haben dank freundlicher und hilfsbereiter Norweger eigentlich am Meisten erfahren und gelernt. Viele Berge sind im Mai sehr empfehlenswert, wieder andere schon ziemlich gefährlich wegen drohender Nassschneelawinen oder frisch gefallenem und vom Wind transportieren Neuschnee in der Höhe. Den eigenen Blick auf Skitour ersetzt das aber nicht.

Erstaunlich ist auch, wie unterschiedlich die Schneeverhältnisse in den verschiedenen Fjorden sein können. Man fährt 10-20 Kilometer und hat komplett andere Schneeverhältnisse am Berg. Besonders deutlich waren die Unterschiede oft zwischen West und Ostseite von Gebirgsmassiven bzw. innen und außen im Fjord. Je näher am offenen Meer die Skitouren waren, desto wärmer war es teilweise, desto mehr Schnee lag aber auch auf der wind zugewandten Seite (Luvseite).

Selbst Ski-Guides aus dem Ausland mit viel Erfahrung haben die Verhältnisse in Norwegen schon unterschätzt oder falsch beurteilt – also lieber einmal zu viel nachfragen!

Gibt es in Norwegen einen Lawinenlagebericht?

Hat man sich nun eine Tour ausgesucht, gilt es den Lawinenlagebericht für Norwegen zu studieren und zu entscheiden, ob die gewählte Tour unter den gegebenen Bedingungen geeignet ist. Den norwegischen Lawinenlagebericht findet man unter www.varsom.no, der Website des norwegischen Lawinenwarndienstes. Der Lawinenlagebericht ist auch auf Englisch und auch vom Smartphone aus abrufbar und wird täglich um 16:00 Uhr aktualisiert. Es sind Lawinenbulletins für fast alle Landesteile Norwegens verfügbar.

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Varsom.no – der norwegische Lawinenlagebericht hilft enorm bei der Planung von Skitouren in Norwegen

 

Zusätzlich zur Angabe der Gefahrenstufe für den aktuellen und den morgigen Tag finden sich weitere nützliche Informationen: ein Kommentar zur aktuellen Lawinenlage, die aktuellen „Lawinenprobleme“ ausführlich erläutert mit Angabe von Exposition und Höhe, sowie die Warnstufen für alle Tage der letzten Wochen. Somit kann man gut nachvollziehen, wie sich die Lage und die Schneedecke entwickelt haben. Natürlich ersetzt der Lawinenlagebericht nicht eine fachkundige Beurteilung vor Ort auf Skitour. Für die Planung ist er aber eine unverzichtbare Hilfe und muss verwendet werden.

Wie wird das Wetter morgen?

Diese Frage ist beim Skitouren gehen in Nordnorwegen gar nicht so leicht zu beantworten. Der beste Wetterbericht ist unserer Meinung nach auf www.yr.no zu finden. Am Anfang haben wir uns ziemlich auf die Wettervorhersage verlassen, aber besonders in den Lyngen Alpen und bei Tromso zeigte sich dann, dass es oft schön war, obwohl Regen vorhergesagt war. Daher sind wir dann mit der Zeit dazu übergegangen, uns den Wecker auf die normale Skitouren-Abmarschzeit zu stellen, und bei Schlechtwetter einfach wieder ins Bett zu gehen.

Wie rufe ich die Bergrettung? Wie verhalte ich mich im Notfall?

Die Bergrettung ist über die normale Notrufnummer 112 erreichbar und ist in Norwegen bei Vorliegen eines echten Notfalls für jedermann kostenfrei.  Es gibt aber einen eklatanten Unterschied zu den Alpen: das Bergrettungsnetz ist nicht so dicht wie in den Alpen und mitunter kann es auch einen halben Tag dauern bis Hilfe eintrifft – manchmal auch länger, besonders dann wenn schlechtes Wetter ist oder schlechte Sichtverhältnisse herrschen.

Das Anlegen eines Notbiwakplatzes sollte daher durchaus ab und an geübt werden: dazu gräbt man entweder mit der Schaufel an geeigneter Stelle eine Schneehöhle, oder man verwendet ein Tarp, Biwaksack oder Ähnliches, um ein Dach über einen selbst ausgehobenen Graben zu bauen. Der Platz sollte sicher vor Lawinen sein und nicht zu sehr dem Wind ausgesetzt sein. Wenn man sich nicht sicher ist, ob der Schnee tief genug ist, hilft es die Stelle vorher zu sondieren.

Außerdem müssen genügend warme Sachen (Daunenjacke, Überhose, Sturmhaube) mitgeführt werden – am besten ist sogar eine Isomatte und ein Schlafsack dabei zu haben, wenn es weiter in die Berge hineingeht oder man nur zu zweit unterwegs ist. Wenn man zu zweit ist, sollte man im Notfall die verletzte Person nicht verlassen, sondern eher auf besseres Wetter und herbeigerufene Hilfe warten. Dies ist aber im Einzelfall selbst zu entscheiden.

Welche Sicherheitsausrüstung ist zu empfehlen?

Wie bei jeder Skitour muss ein Lawinenverschüttetensuchgerät („Pieps“), eine Sonde, eine Schaufel, eine Erste Hilfe und ein Biwaksack sowie ein geladenes Mobiltelefon und eine Landkarte mitgeführt werden. Ebenfalls unverzichtbar sind etwas Proviant (Energieriegel, Brotzeit etc.), Trinken (ideal: Thermoskanne mit Tee) und warme Kleidung.

Für Touren, die weit in die norwegische Berglandschaft hineingehen und beispielsweise einen langen Gegenanstieg auf dem Rückweg haben, ist eine Biwakausrüstung (Schlafsack und Isomatte) anzuraten. Außerdem ist ein GPS-Gerät sehr praktisch, denn in Norwegen schlägt das Wetter teilweise sehr schnell um – plötzlich steht man in dichten Wolken und sieht keine fünf Meter weit. In einem solchen Fall hilft es sehr, die gelaufene Route mit dem GPS metergenau zurückverfolgen zu können („Trackback-Funktion“).

GPS Nutzung ontour
Ein GPS-Gerät ist bei Schlechtwetter oder Nebel nahezu unverzichtbar.

 

Was ist unterwegs auf Skitour zu beachten?

Zu diesem Thema möchten wir am Wenigsten schreiben, denn unser Artikel soll keine Fachkenntnisse rund um das Skitourengehen im Allgemeinen ersetzen. Bitte setzt euch mit der Schneedecke auseinander, grabt lieber einmal zuviel ein Schneeprofil bzw. Blocktest und passt gut auf Euch auf, wenn Ihr auf Skitour in Norwegen seid.

Generell gilt: Norwegen ist ein Eldorado für Skitourengeher. Die Kombination aus den tiefblauen Fjorden und der wilden Berglandschaft – ist einfach atemberaubend schön. Im Teil 2 zum Skitourengehen in Norwegen werden wir Euch dann von unseren Touren erzählen und Fotos hochladen!

Bei Fragen zu einem Skitouren-Urlaub in Norwegen zögert bitte nicht, uns eine E-Mail zu schreiben oder über die Facebook-Seite zu kontaktieren!

About Daniel Amersdorffer

Daniel wurde 1983 geboren und startete mit 13 Jahren seine erste Radtour über die Alpen. Bis heute empfindet er das größte Glück, wenn er sportlich in der Natur unterwegs ist - auf dem Mountainbike, zu Fuß, mit dem Kajak, mit Skiern (und Pulka), im Zelt oder auf einsamen Gebirgshütten im Fjell. Wind, Schnee und rauhe Landschaften sind für ihn die drei Zutaten für einen gelungenen Urlaub.

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